Was ist Misokinesie?
Oft als das "visuelle Gegenstück" zur Misophonie beschrieben, beinhaltet Misokinese starke emotionale und körperliche Reaktionen auf bestimmte visuelle Auslöser, insbesondere auf wiederholte oder rhythmische Bewegungen wie Beinschütteln, Haarwirbeln oder blinkende Lichter.
Die Forschung zur Misokinesie ist noch sehr begrenzt: Stand 2025 konzentrieren sich nur zwei veröffentlichte Forschungsartikel auf Misokinesia eigenständig, verglichen mit Hunderten von Studien zur Misophonie. Bestehende Forschungen zeigen eine hohe Überschneidungsrate zwischen beiden und deuten darauf hin, dass Erfahrungen innerhalb der Misophoniepopulation variieren: Manche Menschen haben hauptsächlich auditive Auslöser, andere hauptsächlich visuelle Auslöser, und viele erleben beides (Jaswal et al., 2021).
Im Moment ist die Grenze zwischen beiden nicht klar definiert. Die derzeitige Konsensdefinition von Misophonie schließt visuelle Auslöser ein, selbst wenn diese Auslöser nicht eindeutig mit Geräuschen verbunden sind (Swedo et al., 2022). Daher können visuelle Auslöser je nach Quelle entweder unter Misophonie oder unter dem Begriff Misokinesie diskutiert werden. Da die Forschung die Erkrankungen nicht eindeutig getrennt hat, fällt Misokinisie derzeit unter das breitere Spektrum der Misophonie.
Gleichzeitig werden visuelle Auslöser selten in der Diskussion oder Darstellung von Misophonie dargestellt. Artikel, Forschung und öffentliche Bilder konzentrieren sich meist auf Geräusche – Kopfhörer, Hände über Ohren, akustische Erklärungen – und lassen dabei die Darstellung visueller Auslöser weg. Diese Lücke kann visuelle Auslöser selten erscheinen lassen, auch wenn Forschung und gelebte Erfahrung etwas anderes nahelegen.
Auch wenn das Wort Misokinese vielen Menschen fremd ist, ist die Erfahrung selbst nicht ungewöhnlich. Visuelle Auslöser scheinen ein häufiger Teil der breiteren Misophonie-Erfahrung zu sein, nicht ein Randerscheinungsbild oder ein separater Ableger. Solange die Forschung keine klareren Unterscheidungen zieht, hilft es Menschen, die visuelle Auslöser haben, Ressourcen und Gemeinschaft zu finden, wenn Misokinisie in Misophonie-Bereichen sichtbar bleibt.

